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„unsere“ Flüchtlinge sind da und schon wieder weg

„unsere“ Flüchtlinge sind da und schon wieder weg

Montag sind die beiden Eltern mit ihren fünf Kindern bei uns eingezogen. Die Begrüßung vom Amt und den Helfern unseres Dorfes war freundlich. Der Kühlschrank und die Toilettenartikel wurden aufgefüllt. Wir hatten den Eindruck, die Familie ist froh, sich endlich ausruhen zu können.

Was wie erwartet schwierig war ist die Verständigung. Wir sprechen kein arabisch und sie weder deutsch noch englisch. Fragen werden also immer über telefonische Kontakte übersetzt und besprochen.

Am nächsten Tag ist die Familie sehr unglücklich, denn die Kinder haben Angst. Sie wollen wieder weg, am liebsten zurück in das Erstaufnahmelager. Ich konnte und kann dies immer noch nicht wirklich nachvollziehen. Ich habe bisher den Eindruck, dass gerade diese Camps besonders unangenehme Orte für eine Familie sein müssen. Aber immerhin gibt es dort Spielkameraden und Erwachsene mit denen in der eigenen Sprache kommuniziert werden kann.

Eine Rückkehr dort hin ist natürlich nicht möglich, denn das Ziel der Camps ist ja die Vermittlung in die Kommunen.

Unsere Gäste haben Verwandte in Flensburg, dort wollten sie eigentlich wohnen. Warum dies nicht gelang ist mir unklar geblieben. Der Bruder wollte sie eigentlich dann einfach hier abholen, ist aber nicht erschienen. Rechtlich wäre das auch schwierig, denn in der Aufenthaltserlaubnis sind die Asylbewerber auf den aufnehmenden Kreis als Wohnraum festgelegt.

So weit wir konnten haben wir diese Rahmenbedingungen der Familie vermittelt.

Gestern, nach einer weiteren Nacht, zu der wir sie zumindest überreden konnten statt sich bei Dunkelheit auf den Weg zu machen, kam der Bruder nicht. Sie packten ihre Kinder und Sachen und gingen. Wohin weiß ich nicht, zum Bleiben überreden konnten wir sie nicht. Die Flüchtlingsbehörde hält sich zurück und bot keine weitere Unterstützung oder Beratung. Ich nehme an, dass dort zu wenig Personal zur Verfügung steht. Vielleicht weiß auch niemand, was zu tun wäre.

In der Hoffnung, dass die Familie bei zunehmender Dunkelheit und Kälte abends wieder in der Wohnung wären haben wir gewartet. Aber auch heute, am nächsten Tag sind sie nicht hier und wir wissen nichts über ihr Schicksal.

Was mich beruhigt ist, dass sie eine Flucht von ca 4500 km hinter sich haben und nun nur noch 150 km vor dem eigenen Ziel, ihrer Familie in Flensburg, entfernt waren. Ich denke, dass dies für die typisch deutsche Familie unvorstellbar weit ist, in einem fremden Land mit fremder Sprache. Für Flüchtlinge aus dem Irak ist das sicher nicht das Selbe. Trotzdem stehen wir ratlos und hilflos hier.

MAnfred

26.11.15 08:59

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